Als ich dich das letzte Mal im Krankenhaus in Eutin besucht habe, konnte ich nur hoffen, dass dieses Leiden bald ein Ende finden würde. Es tat mir weh, dich dort im Bett liegen zu sehen, ohne dich bewegen zu können, gerade dich, den ich immer als jemanden gekannt habe, der so gern ging und ständig in Bewegung war.
Ich habe dich im Jahr 2000 kennengelernt, als ich als Erasmus-Studentin zum ersten Mal nach Kiel kam. Du hast damals mit der Christian-Albrechts-Universität zusammengearbeitet und auch Führungen gemacht. Mich hat deine Art zu erzählen sofort fasziniert: Du konntest Kunst und Geschichte so lebendig und verständlich machen.
Nach meinem Erasmus-Aufenthalt bist du uns ein erstes Mal in Sizilien besuchen gekommen. Meine Eltern sprachen kein Wort Deutsch, und doch konntet ihr euch verstehen, mit Blicken und mit einem Lächeln. Sie haben dich sofort ins Herz geschlossen, und auch du hast sie und meine Geschwister sofort gemocht.
Eine meiner schönsten Erinnerungen an dich ist ein Spaziergang auf dem Land. Wir kamen an einem weißen Maulbeerbaum vorbei, und du hast eine Frucht probiert, dann noch eine und noch eine. Lachend hast du schließlich gesagt: „Man kann gar nicht aufhören.“Du, der fast so groß wie dee Baum warst...Seitdem kann ich keine Maulbeeren, kein Maulbeereis und keine Granita essen, ohne an dich zu denken;)
Unsere Freundschaft hat all die Jahre überdauert. Als ich später nach Deutschland zurückkam, hast du mir besonders in den ersten, manchmal schwierigen Zeiten sehr geholfen. Dafür werde ich dir immer dankbar sein.
Jetzt, wo du nicht mehr da bist, werde ich dich sehr vermissen. Im Dezember hatte ich dir geschrieben, dass mein Vater uns verlassen hatte. Ich stelle mir gern vor, dass ihr jetzt irgendwo zusammensitzt und einen Limoncello auf das Leben trinkt, auf uns alle.
Meine Familie und ich umarmen dich, Ernst.